Unser Sachsenzelt beim Filmdreh: Hark Olufs – Amrumer Abenteurer wider Willen

Unser Sachsenzelt kam zum Einsatz in der historischen NDR-Dokumentation: Hark Olufs: Vom versklavten Friesen zum algerischen Minister. Der Film handelt von dem Amrumer Seefahrer Hark Olufs, der mit 15 Jahren im Jahr 1724 auf dem Handelsschiff seines Vaters von osmanischen Piraten gefangengenommen und nach Algerien versklavt wurde. Er hat zwölf Jahre in der Sklaverei verbracht, bei einem algerischen Provinzfürsten.

Dabei machte er für einen Sklaven eine ungewöhnliche Karriere, vom Teeschenker zum Schatzmeister bis zum Oberbefehlshaber der Kavallerie, also ähnlich einem Minister.

Deswegen heißt der Film auch: „Hark Olufs – Amrumer Abenteurer wider Willen“.

Irgendwann machte er sich so verdient, dass er sich selbst freikaufen durfte. Er kehrte zurück nach Amrum und lernte seine Frau beim Halmschneiden in den Dünen kennen, mit der er fünf Kinder hatte.

Etwa 3000 Menschen stammen heute von Hark Olufs ab. Zwei von ihnen sind Interviewpartner der Filmemacher. Ein weiterer Interviewpartner ist ein Professor, der ein Buch über Hark Olufs geschrieben hat.

Details zum Film:

  • Länge: 30 Minuten
  • Rundfunksender: NDR
  • Genre: historische Dokumentation mit vielen Re-Enactments (das heißt, historische Ereignisse werden hier nachempfunden und für den Film zu neuem Leben erweckt).
  • Sendedatum: 10.08.2019 um 12 Uhr im NDR

Credits:

  • Regie, Drehbuch, Kostüm: Janina Harder
  • Kamera: Stephan Corves
  • Ton/ Kameraassistentz: Simon Wendt, Frank Makoben
  • Schnitt: Pamela Tichy-Köstler
  • Sprecher: Mark Bremer

Darsteller

  • Hark Olufs jung: Are Boyens
  • Hark Olufs erwachsen: Marian Harder
  • Bey von Constantine: Jan Rümpler
  • Antje Lorenzen/Harken: Lea-Luise Gaycken
  • Krassen Harken (Hark Olufs Tochter): Fenja Fetting
  • Lorenz Harken (Hark Olufs Sohn): Henri Engels
  • Oluf Jensen (Hark Olufs Vater): Jürgen Krahmer
  • Marret Olufs (Hark Olufs Mutter): Petra Harder
  • Sieke Martinen: Pia Borrs
  • Hark Nickelsen jung: Janne Schult
  • Hark Nickelsen erwachsen: Cornelius Hinrichs
  • Gegnerischer Krieger 1: Ahad Khan
  • Gegnerischer Krieger 2: Abdallah Hassan
  • Leibwächter des Beys: Boy Knobloch
  • Amrumer Frauen: Emma Randow, Lotte von Komorski, Mathilda Mossmann, Sandra Martinen, Anke Remmers-Köhler, Steffi Wollny, Birte Laxy
  • Amrumer Männer: Carsten Albertsen, Boy Knobloch
  • Pastor: Jan Ricklefs
  • Reiterdouble von Hark Olufs und Bey: Ida Gerrets
  • Hark Olufs Pferd: Stina

Der NDR hat auf Amrum einen 30-minütigen Film über die Geschichte des Amrumer Seemanns Hark Olufs gedreht. Der wurde als 15-jähriger auf dem Handelsschiff seines Vaters von osmanischen Piraten überfallen, nach Algier verschleppt und versklavt. Er diente dem Bey von Constantine, einem algerischen Provinzfürsten. Wie der versklavte Friese es in Algerien sogar zum Minister gebracht hat und wie er es schaffte, sich selbst freizukaufen und zurück nach Amrum zu kehren, kann man bald in der historischen Dokumentation sehen.

Der Filmdreh war vom 17. bis 21. Mai 2019 und im August 2018. Es kommen auch viele so genannte Re-Enactment-Szenen vor. Das heißt, historische Ereignisse werden hier nachempfunden und für den Film zu neuem Leben erweckt.

Hark Olufs – Amrumer Abenteurer wider Willen

von Janina Harder

Fast jeder Amrum-Besucher kennt die „sprechenden Grabsteine“ bei der St.-Clemens-Kirche in dem Ort Nebel. Auf ihnen kann man die Lebensgeschichten vieler Amrumer lesen, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Die Friesen, sonst vielleicht nicht gerade für ihr mitteilsames Wesen bekannt, haben sich auf den Gedenksteinen so richtig ausgelebt. Am bekanntesten ist das Grabmal von dem Seefahrer Hark Olufs. Er ist eine Legende und seine Geschichte erzählen sich die Amrumer noch heute: Sein Vater steht auf einer Düne und hält Ausschau. Sehnt sich mit dem Blick auf den Horizont nach seinem versklavten Sohn in der Fremde. Ob er Hark Olufs je wiedersehen wird?

Die Geschichte eines berühmten Amrumers

Georg und Jens Quedens sind Brüder und die achtmaligen Urenkel von Hark Olufs. Noch heute wohnen sie auf Amrum. „Auf dem Grabstein und auch in der Literatur wird er natürlich immer als Held dargestellt und hat es auf diese Weise auch zum bekanntesten Amrumer aller Zeiten gebracht“, sagt Jens Quedens. Wenn man seine Biografie aufmerksam lese, könne man allerdings durchaus feststellen, dass es auch sehr dunkle Punkte in dem Leben des Seefahrers gegeben hat.

Tatsächlich hat das Schicksal im Jahr 1724 Besonderes für Hark Olufs vorgesehen. Wie die meisten der männlichen Amrumer fährt der Junge schon mit zwölf zur See. Im Alter von 15 Jahren ist der Matrose gerade wieder auf Heimaturlaub, bevor es auf die nächste große Fahrt geht. Mit einem Handelsschiff seines Vaters, der Kapitän und Reeder ist. Was aus heutiger Sicht hart klingt, ist damals der normale Karrierebeginn. Hark soll unter Aufsicht anderer Amrumer zum Seemann ausgebildet werden, um später einmal Kapitän zu werden.

Aus „Hoffnung“ wird Elend

Das Schiff „Hoffnung“, das unter Hamburger Flagge fährt, segelt vom französischen Nantes nach Hamburg, um dort eine Ladung zu löschen. Die Gewässer hier sind eigentlich sicher. Doch osmanische Piraten haben sich bis zu den britischen Scilly-Inseln vorgewagt und kapern das Schiff. Es wird nach Algier (Algerien) geschleppt, in einen der so genannten Barbareskenstaaten. Hark Olufs wird auf dem Sklavenmarkt angeboten.

Oluf Jensen will seinen Sohn retten

Das osmanische Reich hatte sich bis in die heutigen maghrebinischen Länder ausgebreitet. Die Osmanen sind Besatzer. Hark Olufs Vater, Oluf Jensen, erfährt kurze Zeit später von der Kaperung seines Schiffes und von der Gefangennahme seines Sohnes. Sein Plan ist es, seinen Sohn freizukaufen. Dafür gibt es die so genannten Sklavenkassen.

Kein Geld für den versklavten Friesen

„Aber wie heute mit den Versicherungen, so war es damals mit der Sklavenkasse auch“, erklärt Nachfahre Jens Quedens. Die dänische Sklavenkasse sei nicht für Hamburger Schiffe zuständig gewesen, weil die „Hoffnung“ „unter Hamburger Flagge fuhr. Die Hamburger Sklavenkasse hingegen sieht sich für dänische Seeleute nicht zuständig. Amrum gehört damals zum dänischen Gesamtstaat.

Zehn Jahresgehälter kostet die Freiheit

Der Vater nimmt einen Kredit auf, spart sich über Jahre vieles vom Munde ab, um eine Summe von zehn Jahresgehältern zusammenzubekommen. Immer wieder kommt er auf seine Düne, weil er am Horizont seinen Sohn herbeisehnt.

Aus dem Sklaven wird ein Minister

Für den 15-jährigen Hark Olufs dagegen beginnt ein neues Leben. Er wird innerhalb weniger Wochen dreimal verkauft, landet letztendlich beim Bey von Constantine, einem algerischen Provinzfürsten. Zunächst ist er dort Teeschenker. Der Amrumer Junge ist aufgeweckt, lernt schnell Arabisch und Türkisch. Mit nur 18 Jahren steigt er beim Bey zum Schatzmeister auf, ein Ministerposten. Dann wird er zum Kommandeur der Leibgarde ernannt. Er qualifiziert sich dadurch, dass er auf Befehl des Bey zwei Menschen auf einem Marktplatz erschießt.

Der Amrumer – ein skrupelloser Finanzchef?

Sein Nachfahre Jens Quedens vermutet, dass Hark Olufs noch viel mehr Leute erschossen hat. Hinweise darauf finden sich in Olufs Autobiografie. Dort berichtet er, als Finanzchef seines Herren für die Eintreibung der Steuern zuständig gewesen zu sein. „Er hat dann das Geld immer einmauern lassen. Damit niemand wusste, wo es war, hat er die Mauerleute auch um die Ecke gebracht“, so Quedens. Mit 24 Jahren wird Hark Olufs Oberbefehlshaber der Kavallerie, nimmt an mehreren Kriegen teil.

Alle Entbehrungen sind vergebens

Sein Vater auf Amrum hat nach zehn Jahren endlich das Geld zusammen, er kauft einen Matrosen namens Hark Olufs frei. Aber es handelt sich um eine Verwechslung. Beim lang ersehnten Wiedersehen steht er einem fremden Mann aus Bremen gegenüber. Nun hat er keine Hoffnung mehr, seinen Sohn jemals wiederzusehen.

Oluf befreit sich aus eigener Kraft

Doch Hark Olufs wartet nur auf den richtigen Zeitpunkt, um sich so verdient zu machen, dass er sich selbst freikaufen kann. Mit 28 Jahren ist es dann soweit. Er wird nur unter der Bedingung freigelassen, dass er für seinen algerischen Herrn Tunis erobern soll. Es gelingt ihm. Nach zwölf Jahren Gefangenschaft ist er endlich ein freier Mann und kehrt zurück in seine Heimat.

Vom Sklaven ist nichts mehr übrig

„Als er dann wieder kam, war er alles andere als ein typischer Rückkehrer aus der Sklaverei. Er war nicht armselig und gebrochen“, sagt Jens Quedens. Hark Olufs hat es weit gebracht, ist ein reicher Mann – nur dadurch konnte er sich selbst freikaufen.

Auch, was Hark Olufs nach seiner Rückkehr auf Amrum machte, zeigt die 30-minütige historische Dokumentation.

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